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Rückblick Und Nächste Schritte Mit Unserem ökumenischen Vikariats-Team

Rückblick und nächste Schritte mit unserem ökumenischen Vikariats-Team

Letztes Jahr haben wir zusammen mit der Redeemer Lutheran Church das ökumenische Praktikumsprogramm gestartet, um mutig mit neuen Gottesdienstformen zu experimentieren und mehr Menschen in unserer Nachbarschaft zu erreichen. (Mehr lesen: Vorstellung unserer vier Vikare)

Unsere vier Vikar*innen Silke Fahl, Jordan Smith, Adam McComb und Caroline Raddatz haben sich genau das trotz der COVID-19- Pandemie vorgenommen. Die Zeit für Vikarin Raddatz wurde leider verkürzt, da sie im März wegen der Reisewarnung nicht nach Kanada zurückkehren konnte.

Unser Dank gilt auch dem aus Mitgliedern der MLK und der Redeemer-Kirche bestehenden Praktikumskomitee für seine Unterstützung der Vikar*innen.

Am Sonntag, dem 30. August, haben wir das Praktikumsprogramm während des virtuellen 10-Uhr-Gottesdienstes offiziell zu Ende gebracht. Dies ist kein endgültiger Abschied von unseren Vikar*innen , sondern hat uns erlaubt, unsere Dankbarkeit für ihre Arbeit als Teil dieses Teams zum Ausdruck zu bringen.

Lesen Sie mehr über die Erfahrungen unserer Vikar*innen und ihre nächsten Schritte:

Vikar Jordan Smith

Als ich die Martin-Luther-Kirche am ersten Tag meines Vikariats betrat, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Mehrere Studienkolleg*innen hatten gerade ihr Vikariat in verschiedenen Gemeinden beendet, aber hier handelte es sich um eine ganz andere Erfahrung:  vier Praktikant*innen, zwei Gemeinden, zwei Pastoren und jemand  mit Englisch als Muttersprache, der in einer mehrheitlich deutschsprachigen Gemeinde arbeiten würde.  Schon am ersten Tag war die die positive Energie im Büro groß, Pastor Christian und Iris ermutigten mich, Neues auszuprobieren, und ich hatte die Erlaubnis zu experimentieren.

Eine meiner schönsten Erinnerungen dieses Jahr werden die Zeiten sein, in denen wir unsere Türen in neuer Weise öffneten.  Das geschah zweimal, als  wir an schulfreien Tagen Kinder zu verschiedenen Aktivitäten einluden.  Wir hießen eine Anzahl Kinder aus der Nachbarschaft in unserem Gebäude willkommen und boten in Zusammenarbeit mit der Kindertagesstätte Bastelarbeiten, Geschichten, Imbisse und sogar ein Modellorgel-Bauprojekt an.  Wir machten die Bekanntschaft von Menschen aus der Nachbarschaft, indem wir jeden Tag im Advent unsere Türen für Abendgebete und einen ruhigen Ort in der Kirche offen hielten. Während dieser vierundzwanzig Tage hatten wir das Gefühl, als könne sich das geistige Leben der Gemeinde von Sonntagmorgen her ausweiten und auf neue Menschen im weiteren Verlauf der Woche auswirken.

Vikar Jordan Smith mit seiner Familie

Am 30. August beende ich meine Vikariat, und allmählich kristallisieren sich meine nächsten Schritte.  Mit diesem Praktikum habe ich den Abschluss meiner akademischen Voraussetzungen erreicht und damit meinen Master der Theologie geschafft.  Im Frühherbst werde ich dann  mit dem Komitee zusammentreffen, das die Ordinierungskandidat*innen überwacht, und danach  mit dem bischöflichen  Prüfungskomitee, das hoffentlich meinen Ordinierungsantrag genehmigt.  Ab diesem Zeitpunkt kann ich dem Ruf einer Gemeinde folgen,  die einen neuen Pfarrer sucht. Bis dahin werde ich Teilzeit in der Martin Luther und Redeember Kirche arbeiten und bei der Wiedereröffnung und der Liveübertragung helfen.

Zwar würden meine Familie und ich gerne im Großraum Toronto bleiben, trotzdem wollen wir in den nächsten Monaten ergründen, wohin uns Gott in den Dienst ruft.  Ich habe die Unterstützung sehr geschätzt, die mir im vergangenen Jahr von allen Seiten  in der Redeemer Lutheran und der Martin-Luther-Kirche zuteil geworden ist, und schätze Ihre Gebete auf meinem weiteren Weg Pastor zu werden.

– Vikar Jordan Smith

Vikarin Silke Fahl

Wenn ich auf die vergangenen 15 Monate zurückblicke, sehe ich was ich alles erlebt und gelernt habe und alle Menschen und Ereignisse, die mich in positiver Weise beeinflusst haben. Bevor ich hierhergekommen bin, habe ich oft gehört, dass es oft stressig und anstrengend ist mit anderen Pastor*innen in einem Team zu arbeiten. Doch die Arbeit mit meinen Mit-Vikar*innen und Pastor Christian und Steve hat mir gezeigt, dass es nicht so sein muss. Lief immer alles reibungslos? Nein. Aber ich habe das Gefühl, dass wir immer konstruktiv diskutiert haben.
Eine andere Sache an die ich mich immer gerne erinnern werde, sind all die Tage, die ich im Gemeindebüro verbracht habe; die Zusammenarbeit mit all unseren wunderbaren ehrenamtlichen Mitarbeitenden; und die unzähligen großartigen Gespräche, die ich mit Gemeindegliedern geführt habe.
Die Mischung von klassischer Gemeindearbeit und der Möglichkeit Neues auszuprobieren war und ist für mich unglaublich inspirierend und ich hoffe, dass ich das auf die ein oder andere Weise fortsetzen kann. Es gab keinen Moment, in dem ich mich nicht unterstützt gefühlt habe (vielen, vielen Dank dafür!) und ich bin immer noch so froh und dankbar, dass die Gemeinde mein Angebot, einen Teil der Vakanzvertretung zu übernehmen, angenommen hat und das meine Landeskirche und die EKD ebenfalls ja gesagt haben.

Ich werde noch für beinahe 4 Monate hier in MLC bleiben bevor es für mich zurück nach Deutschland geht. Irgendwann vor Mitte Oktober werde ich allerdings bereits erfahren, wo ich meine Probedienststelle im Januar antreten werde. Die Gemeinde wird irgendwo im östlichen Teil Niedersachsens liegen und hoffentlich in einer Stadt oder in der Nähe einer Stadt sein. Anfang Januar werde ich dann in der Gemeinde ordiniert werden und werde dort für mindesten drei Jahre bleiben. Ich freue mich schon sehr darauf und auch endlich meine Familie wiederzusehen. Gleichzeitig will ich aber gar nicht daran denken MLC und Toronto verlassen zu müssen. Aber ich wage zu behaupten, dass das oftmals der Fall ist, wenn etwas zu Ende geht und etwas Neues anfängt. Und wenn es nach mir geht wird dies nicht mein letzter Aufenthalt in Kanada sein.

– Vikarin Silke Fahl

 

2019 Camp Lutherlyn Vicar Adam McComb

2019 Camp Lutherlyn Vicar Adam McComb

Ich wurde zum ersten Mal durch eine E-Mail von Rev. Dr. Christopher C. Brittain, Dean of Divinity, und Margaret E. Fleck Chair in Anglican Studies, der an der MLK einfach als der Chris von Katja und Chris bekannt ist, auf das ökumenische Praktikum aufmerksam gemacht. Damals wusste ich so gut wie nichts über Praktika und Praxisstellen bei Trinity. Allerdings war ich sicher, dass diese Stellen auf 12 Wochen befristet wären, nur mit einer einzigen Gemeinde zu tun hätten und selbstverständlich in einer anglikanischen Kirche stattfänden. Ich wusste durch den Betreff dieser E-Mail auch, dass ich so eine Praktikumsstelle wollte! Nach einem Treffen mit Iris und beiden Pastoren war ich begeistert und nach einem weiteren Treffen mit Iris und Pastor Christian irgendwie voll engagiert. Obwohl ich mich gar nicht daran erinnern kann, jemals „ja“ zu diesem Experiment gesagt zu haben, fand ich mich an meinem Schreibtisch wieder, wo ich einen Vertrag einscannte und abschickte, meine Lernziele formulierte, und mich aufs Camp und das neue Jahr vorbereitete.

Was für ein Jahr das war! Ich habe die Geschichte meiner Einführung in das Praktikum und die Lutherische Kirche schon sehr oft freudig erzählt. Der Trip gen Norden ins Camp Lutherlyn war der Beginn dieser Erfahrung, ein neuer Ort mit neuen Gesichtern, zwei Kirchen dienend. Das hatte alle Elemente eines Albtraums für einen vernünftigen Menschen, aber ich war begeistert. Ich rollte nach sechseinhalb Stunden langer Fahrt in minem Jeep, Joleen, an, obgleich der Pastor von drei Stunden gesprochen hatte, alle neuen Gesichter waren auf mich gerichtet, ich schälte mich aus dem Sitz und betete, dass meine Beine mich noch tragen würden, und war dann ganz schnell mittendrin. Jedes einzelne Gesicht war offen, freundlich, fasziniert und heiter, so dass es sich wie eine Heimkehr anfühlte.

Die Tage, Wochen und Monate gingen in einander über in einem Wirbelsturm von Erfahrungen. Gesprächen, Erfolgen, Misserfolgen, Lektionen und offenen Gesichtern mit offenen Herzen. Einige Momente waren wirklich einzigartig und ließen mich sagen: „Man sollte nicht ordiniert werden dürfen, ohne diese Erfahrung gemacht zu haben!“

Eines der tiefgründigsten Elemente waren unsere Freitagsgespräche. Sie wurden von Pastor Christian geleitet, auch wenn er versuchte, in den Hintergrund zu treten. Diese Abenteuer beinhalteten einen angefüllten Morgen, Lunch, eine Andacht und pastorale Seelsorge, die am Ende des Tages oft gebraucht wurde, wenn wir uns mit den ganz großen Fragen befassten.

Was ist die Aufgabe des/eines Pastors; der/einer Pastorin?
Was umfasst/verlangt/benötigt/bietet diese Rolle?
Was ist ein/e PastorIn der Zukunft?
Was ist die Rolle der Kirche, einer Kirche?
Wenn Sie Ihre Antworten betrachten, was sind Unterschiede zwischen dem kanadischen und dem deutschen Kontext?
Hat Ihre Ausbildung/das Seminar Sie auf diese Rolle vorbereitet?

Wir grübelten stundenlang über diese Fragen und suchten bei gemeinsamen Mahlzeiten weiter nach Antworten, waren uns einig, erlaubten einander Uneinigkeiten, und lernten viel über uns selbst und die anderen. Diese Freitagsgespräche fanden mit Chris Brittain, Michael Pryse, Laurie Knott, Martin Häfele und anderen statt. Ihre Beiträge waren aufschlussreich – sie sagten, was ich hören sollte, sie sprachen voller Hoffnung, wenn ich mich niedergeschlagen fühlte, sie gaben mir Bestätigung, wenn ich mich überflüssig fühlte. Diese Menschen, die sich Zeit nahmen, unsere Mentoren zu sein, werden die bodenständigen, hoffnungsvollen Anführer mit dienenden Herzen sein, die uns durch den Sturm vor uns führen. Als Kirche sind wir gesegnet, sie zu haben. Diese Freitagsgespräche waren eine unglaubliche Möglichkeit für die Gruppe von Vikaren, zu begreifen, dass wir Großes träumen, uns gewaltig anstrengen und sogar gewaltig versagen dürfen.

Eine von Vikar Jordans Ideen war es, die Kirche zu öffnen – sie einfach zu öffnen und zu sehen, was dann passiert. Er plante ein Abendgebet, Thementage für Kinder, Jugendliche und Familien, und war ein treuer Gastgeber für diese Veranstaltungen. Zu sehen, dass seine harte Arbeit und sein Herzblut sich auszahlten, war ein persönliches Highlight für mich.

Sunday Funday ist eine phantastische E-Mail /Liturgie, die während des Schuljahres wöchentlich an Familien mit schulpflichtigen Kindern geschickt wird; es ist die Covid-Version der Sonntagschule, aber besser! Marlena, Solveig, Pedro und Jocelyn sind engagierte Seelen, die mehr Zeit, Energie und Mühe in einen Sunday Funday investieren als die meisten Mega-Kirchen. Wenn ich an diese E-Mails und die bewegenden Geschichten und Erfahrungsberichte zurückdenke, bin ich tief beeindruckt von diesem Team. Diese E-Mails mit anderen Kirchen und Freunden zu teilen war mir eine riesige Freude.

Das kommende Jahr wird auf schöne Weise arbeitsreich sein. Ich werde mein Studium am Trinity College und meine Arbeit für Redeemer Lutheran und die Martin Luther Kirche fortsetzen. Ich bin hoffnungsvoll und bete, dass im kommenden Jahr beide Gemeinde Gott weiterhin wagemutig dienen werden. Es bleiben noch genug Kurse und Anhörungen bei der Diözese/Synode, um mich für die nächsten drei Semester beschäftigt zu halten. Nicht ausschließlich mit dem Studium, denn ich hoffe, diesen Gemeinden weiter dienen zu können und meine Aufgabe als Betreuer des Pfarrhauses weiterzuführen. Es scheint, als hätte ich Teile von Pastor Christians Leben übernommen, was ich liebe und nicht vorhabe, in absehbarer Zeit zurückzugeben. Meine Zeit mit so vielen Deutschen hat mich ermutigt, ehrlicher und direkter zu sein. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mich vor dem Lernen online fürchte. Dennoch kann ich auch ganz ehrlich sagen, dass ich zuversichtlich und gewiss bin, dass der Geist, der unter uns wohnt, uns führen wird, dass die offenen Herzen hören werden und dass Gottes Liebe in diesen und durch diese früher neuen Gesichter kundgemacht wird.

-Vikar Adam McComb

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