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Pastor Dr. Gerhard Hille: Eine Stimme Aus Der Quarantäne & Begrüßung

Pastor Dr. Gerhard Hille: Eine Stimme aus der Quarantäne & Begrüßung

Last updated on Januar 10th, 2021

Pastor Gerhard Hille 2020

2020 Pastor Gerhard Hille

Wir freuen uns, Pastor Hille und seine Frau zu Weihnachten und bis zur Ankunft unseres neuen Pastors im Sommer 2021 endlich wieder in unserer Gemeinde zu begrüßen. – Iris Schweiger, Präsidentin des Kirchenvorstands

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Eine Stimme aus der Quarantäne, 16. Dezember 2020

Liebe Mitglieder und Freunde der Martin Luther Church!

Seit einer Woche lebe ich mit meiner Frau in Quarantäne. Das ist wirklich eine sehr spezielle Vorbereitung auf meinen Dienst in der Gemeinde, den ich „outdoor“ am 22. Dezember aufnehme. Aber ich bin schon jetzt in meiner Quarantäne-Wohnung bei vielen Onlinemeetings der verschiedensten Teams und Gruppen der Gemeinde dabei. Was ist das für eine Freude zu sehen, mit welch einer Motivation, mit welchem Engagement, welcher Begeisterung und ernsthaftem Bemühen die Leute an der Arbeit sind! Die Gemeinde lebt! Sie pulsiert. Sie erhebt ihre Stimme und setzt Zeichen diakonischer Präsenz. Es gelingt viel, einiges glänzend und souverän, manches aber auch mühevoll und manchmal mit frustrierendem Erfolg. Ich freue mich darauf, mich sozusagen in dieses Wechselspiel gemeindlicher Arbeit schon bald „einschleichen“ zu können.
In der Vorbereitung darauf ist mir aufgefallen und wichtig geworden, dass wir in dieser wirren und nervösen Zeit miteinander viel Geduld und ganz besonders viel gegenseitige Wertschätzung aufbringen müssen. Füreinander zu beten, heißt auch, einander zu achten. Wir erleben, wie die Gaben und Talente in dieser Zeit unterschiedlich verteilt sind. Wir erfahren aber auch, dass wir jedes kleine Bisschen davon brauchen. Das ist der riesige Schatz ehrenamtlicher Arbeit, für den wir unendlich dankbar sind. Wir müssen viel versuchen, wir müssen die Ergebnisse der Arbeit offen kritisch prüfen, vielleicht einiges verwerfen und dann nach neuen Anfängen suchen.
So werden wir z.B. ab Weihnachten zunächst die Gottesdienste in unserer Kirche als Videofilme aufzeichnen, dann im Internet speichern und allen bekanntgeben, wann und wie man sie sich anschauen kann. Es ist wichtig und lohnend, an dieser Stelle ganz viel zu lernen, weil ja nicht nur mit Worten, sondern auch in der Wahrheit gelten soll: Die Mitte unseres Gemeindelebens ist die Feier unseres Gottesdienstes. Hier treffen wir uns, um das zu hören, was wir uns selber nicht sagen können. Hier lassen wir uns von Gott dienen, und wir antworten ihm mit unseren Dienst für ihn. Das ist die Tiefe und die Weite in der wir gemeinsam stehen und verankert sind. Das ist der Sinn unseres Tuns. Auf denn! Machen wir das!

Herzliche Grüße aus der Quarantäne!
Pastor Dr. Gerhard Hille

 

Pastor Dr. Gerhard Hille stellt sich wieder vor

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Martin-Luther-Kirche!

Vor einigen Tagen habe ich einmal die Jahre gezählt, seit ich Kontakt zur Martin Luther Kirche habe. Es sind 18 Jahre und 3 Monate. Meine erste Predigt habe ich im Neujahrsgottesdienst 2002 gehalten. Ich war bei Pastor Stefan Wolf zu Besuch. Am Tag nach Weihnachten war ich angekommen. Als wir ein bisschen für meine Zeit in Toronto und Umgebung planten, stellte sich heraus, dass es für Pastor Wolf ein wenig eng wurde, denn er hatte noch zwei Gottesdienste für den Jahreswechsel vorzubereiten. Spontan sagte ich: „Das ist doch ganz einfach. Du machst einen, den anderen nehme ich dir ab.“ Gesagt, getan. Beide saßen wir in seinem Arbeitszimmer über der Predigtvorbereitung für den Jahreswechsel, und wir hatten füreinander Zeit gewonnen. Das war der Anfang.

Inzwischen habe ich „viel Zeit gewonnen“, um in der MLC bei Gottesdiensten und Beerdigungen, Kranken- und Altenbesuchen zuhause, im Krankenhaus und im Altenheim zu helfen. Für mich war das eine sehr wertvolle Zeit. Der Kontakt zu Menschen in einer christlichen Gemeinde, war für mich immer der wichtigste Schwerpunkt meiner pastoralen Arbeit, und das immerhin seit inzwischen 45 Jahren. Dieses möchte ich gerne als Interimspastor fortsetzen.

Ich freue mich auf die gemeinsamen Gottesdiensterfahrungen, auf das Zusammentreffen mit Ihnen bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten. Gerne stehe ich zu Gesprächen zur Verfügung, sei es in der Kirche, zu Hause, im Krankenhaus oder im Altenheim. Selbst wenn COVID-19 uns dazu zwingt all das übers Telefon tun zu müssen.

So freue ich mich auf diese Zeit mit Ihnen, nicht nur am Lakeshore Boulevard, sondern wo immer wir uns begegnen mögen!

Herzliche Grüße,
Pastor Dr. Gerhard Hille

 

Interview mit Andy Boettcher per E-Mail am 15.12.2020 geführt

1. Wie kam Ihr erster Kontakt zur MLK zustande?

Zum Jahreswechsel 2002/2003 war ich das erste Mal in der Martin Luther Kirche. Ich war eingeladen von Pastor Stefan Wolf und von meiner Tochter Anna Lisa, die zu dieser Zeit für ein halbes Jahr bei der Familie Wienecke zu Gast war. Pastor Wolf kenne ich schon seit sehr langer Zeit. Seine Kindheit verbrachte er in der Nachbarschaft meines Elternhauses. Später war er in Bad Meinberg, wo ich Gemeindepfarrer war, mein Vikar. Eigentlich war er derjenige, der mir die Tür in die Gemeinde geöffnet hat.

2. Was gefällt Ihnen an der MLK am besten?

Mir gefällt die Offenheit vieler Gemeindeglieder, mit der sie Menschen, gerade auch Fremden begegnen. Das habe ich selbst erfahren, gerade auch als ich dann in der Folgezeit Vertretungsdienste als Pastor in der Gemeinde übernommen habe.

3. Was hat Sie ursprünglich veranlasst Pastor zu werden bzw. wie lange hat es gedauert sich dazu zu entscheiden?

Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Aber in meiner Schülerzeit bekam ich einen sehr engen Kontakt zu dem Gemeindepfarrer in meiner Heimatgemeinde, der mich auch konfirmiert hatte. Ich fand, dass er sein Amt sehr gut ausführte. Da wuchs in mir der Gedanke, dass ich solch eine Arbeit auch gerne tun würde. So fasste ich den Entschluss, Theologie zu studieren.

4. Was war die grösste Herrausforderung (was hat Ihnen am meisten zu schaffen gemacht) während Ihrer Ausbildung? Haben Sie auch mal daran gedacht alles hinzuschmeissen; wenn ja was hat Ihnen Kraft bzw. Mut gegeben weiterzumachen?

Den Gedanken, alles hinzuschmeissen, hatte eigentlich nicht. In meinem Studium haben mich insbesondere theologische Lehrer beeinflusst und geprägt, die biblisch theologisch ausgerichtet waren. Bis heute bedeutet das mir sehr viel. So ist es immer wieder eine grosse Herausforderung und eine richtige Anstrengung, die biblische Botschaft in unsere Zeit zu übersetzen und auch umgekehrt die Fragen unserer Zeit im Lichte dieser biblischen Botschaft zu begreifen. Dabei hat mir das Gespräch und manchmal auch das Ringen mit meinen Mitchristen geholfen.

5. Hätten Sie sich vor 10 Jahren denken koennen heute als Interimspastor der MLK tätig zu sein?

Vor 10 Jahren bestimmt, dann da hatte ich bereits Pastor Alexander Mielke während seines Urlaubs für etwas längere Zeit vertreten. Die Zeit in dieser Funktion hier zu sein, bedeutet ja für mich neben der Freude am pastoralen Dienst in der Gemeinde ja auch die Nähe zum kanadischen Teil meiner Familie. Und so freue ich mich mit meiner Frau auf diese Zeit bis Ende Juli 2021.

6. Was fiel Ihnen bei Ihrer 1. Predigt am schwersten?

Ich kann heute noch die Last der Verantwortung spueren, die mich überkam, als ich als Student in einem Dorf in der Nähe von Bielefeld meine erste Predigt gehalten habe. Die Last habe ich verloren, aber die Verantwortung ist mir bis heute sehr bewusst geblieben.

7. Was ist Ihr Lieblingsbibelvers u. Warum?
Eigentlich sind es zwei:
1. Ps. 43,3: “Herr sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten.” Das ist mein Konfirmationsspruch, den mir mein Grossvater ausgesucht hat. Ich glaube, dass sich diese Bitte vielfach in meinem Leben erfüllt hat.
2. Jos 1,9: “Habe ich dir nicht gesagt: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.”
Mit diesem Spruch wurde ich in meine erste Gemeindepfarrstelle in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bad Salzuflen eingeführt. Ich glaube, dass in diesem Bibelvers das Wichtigste angesprochen wird, was ein Gemeindepfarrer in seinem Dienst braucht. Und das habe ich in über 40 Jahren Gemeindedienst auch so erfahren.

8. Was ist Ihr grösste Wunsch für die MLK Gemeinde in diesem 65. Jubiläumsjahr ihrer Gründung?

Ich wünsche uns allen, dass wir gemeinam durch diese schwierige Zeit heil und gesund durchkommen und dass wir zusammen entdecken und erfahren, dass der manchmal auch verborgene Gott immer seine schützende Hand über uns hält.

2013 Pastor Gerhard Hill at Installation Service Ceconi Sep22

Pastor Gerhard Hille at Installation Service Ceconi Sep 22, 2013. (Auch im Bild: Pastor Sebastian Meadows-Helmer, Rev. Doug Reble, Rev. Paul Shepherd, Pastorin Katharina Moeller)

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